Modern Work · Microsoft 365 · Adoption & Lernen
Wenn Unternehmen neue Tools einführen, kommt fast immer die gleiche Idee: Wir passen die Schulungen an die Lerntypen unserer Mitarbeitenden an. Visuell, auditiv, kinästhetisch. Klingt logisch. Ist es aber nicht, zumindest nicht so, wie man denkt.
Der populärste Irrtum im Lernkontext
Das VARK-Modell kennt fast jeder: Es unterteilt Menschen in visuelle, auditive, kinästhetische und lesende Lerntypen und suggeriert, dass Lerninhalte auf den jeweiligen Typ zugeschnitten werden sollten. Die Idee klingt intuitiv, sie ist leicht zu erklären und sie fühlt sich richtig an.
Genau das ist das Problem. Denn die Forschung zeigt etwas anderes. Studien belegen, dass Menschen zwar Lernvorlieben haben, aber nicht besser lernen, wenn der Inhalt diesen Vorlieben entspricht. Und in der Praxis der 365 Akademie, mit jahrelanger Erfahrung als zertifizierter Microsoft Partner und über 12 Millionen erstellten und genutzten Lernvideos, bestätigt sich das immer wieder.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: In einem Kundenprojekt sagten 80 Prozent der Mitarbeitenden in einer Umfrage, sie wollten am liebsten eine PDF-Anleitung. Als das Angebot aus PDF, Videos und Live-Sessions bestand, nutzten am Ende genau 20 Prozent die PDF und 80 Prozent die Videos und Live-Sessions.
Was Menschen sagen, wie sie lernen wollen, und wie sie tatsächlich lernen, sind zwei verschiedene Dinge. Das ist keine Schwäche der Mitarbeitenden, sondern ein wichtiger Hinweis für alle, die Befähigungskonzepte entwickeln.
Warum hält sich das Lerntypen-Modell so hartnäckig?
Das VARK-Modell ist einfach zu erklären, leicht verständlich und gut vermarktbar. Es leuchtet sofort ein, weil es an echte Erfahrungen anknüpft. Natürlich haben Menschen Vorlieben. Natürlich liest jemand lieber, als sich ein Video anzuschauen. Aber daraus folgt nicht, dass er durch Lesen auch mehr lernt.
Das eigentliche Missverständnis liegt nicht in der Beobachtung, dass Menschen unterschiedlich sind, sondern darin, worauf die Lerninhalte zugeschnitten werden sollen. Nicht der Lerntyp ist entscheidend, sondern die konkrete Arbeitssituation und der Arbeitsalltag.
Was wirklich wirkt: Die drei echten Lernfaktoren
Lernen ist ein komplexer, multimodaler Prozess. Niemand hat einen Smartphone-Kurs besucht, und trotzdem können heute Millionen Menschen damit Fotos machen, Videos schneiden, Kalender verwalten und Apps installieren. Kein Lerntyp-Test hat dabei geholfen. Was stattdessen gewirkt hat:
Diese drei Faktoren haben nichts mit Lerntypen zu tun. Sie funktionieren für alle Menschen, unabhängig davon, ob jemand sich selbst als visuellen oder auditiven Lerner bezeichnet.
Was das für M365-Befähigung bedeutet
Statt sich zu fragen "Welcher Lerntyp ist mein Mitarbeitender?", sollte die Frage lauten: "In welcher Arbeitssituation braucht diese Person dieses Wissen, und was ist der konkrete Mehrwert für sie?"
Ein Beispiel: Mitarbeitende sollen Besprechungsnotizen künftig mit Loop oder OneNote statt mit Word erstellen. Das klassische Schulungskonzept würde eine Einweisung in die Tools anbieten. Das wirkungsvolle Konzept zeigt stattdessen: Niemand muss mehr Protokolle per E-Mail verschicken. Alle sehen sofort den aktuellen Stand. Die Frage "Ist das jetzt das aktuelle Protokoll?" entfällt komplett.
Wer den Nutzen versteht, bevor er die Funktion lernt, lernt die Funktion deutlich schneller und nachhaltiger. Relevanz ist der stärkste Lernkatalysator.
Multimodales Lernen entsteht dabei ganz natürlich: Das kurze Video zeigt, wie es geht. Die Live-Session gibt den Kontext und beantwortet Fragen. Jemand aus dem Team meldet sich und sagt, wie seine Abteilung damit eine Stunde pro Woche einspart. Und dann probiert man es selbst aus, entdeckt weitere Möglichkeiten und sucht gezielt nach mehr. So beginnt echte Adoption.
Formate, die in der Praxis wirklich funktionieren
Nicht weil sie einem Lerntyp entsprechen, sondern weil sie Relevanz, Kontext und Motivation in den Mittelpunkt stellen:
KI und M365: Gibt es einen Unterschied?
Eine häufige Frage ist, ob die Befähigung zu KI-Tools wie Copilot sich grundlegend von der Befähigung zu klassischen M365-Tools unterscheidet. Die kurze Antwort: Im Prinzip nein. Die Mechanismen sind dieselben: Relevanz, Kontext, Motivation.
Der Unterschied liegt in der Ausgangslage. Bei KI-Tools ist die intrinsische Neugier derzeit oft größer, weil das Thema medial präsent ist und viele Menschen bereits eine persönliche Berührung damit hatten. Das lässt sich nutzen: KI als Ankerpunkt, um dann auch die Grundlagen der digitalen Zusammenarbeit zu stärken. Denn wer Copilot effektiv nutzen will, braucht zuerst eine solide M365-Basis.
Häufige Fragen zu Lerntypen und M365-Adoption
Sind Lerntypen komplett irrelevant?
Nicht ganz. Menschen haben durchaus Vorlieben, und es ist sinnvoll, verschiedene Formate anzubieten. Das Problem entsteht, wenn man glaubt, man müsse Inhalte auf den Lerntyp zuschneiden, um wirksam zu sein. Was wirkt, sind Relevanz, Kontext und Motivation, nicht die Formatvorliebe.
Warum bevorzugen Mitarbeitende in Umfragen oft PDFs, nutzen dann aber Videos?
Weil Menschen ihre eigenen Lernprozesse oft schlecht einschätzen. PDF klingt praktisch und kontrollierbar. In der Realität zeigt sich aber, dass gut gemachte, kurze Videos mit klarem Nutzenfokus deutlich häufiger konsumiert werden als schriftliche Anleitungen.
Welches Format sollte ich für meine M365-Befähigung wählen?
Nicht eines, sondern mehrere. Der Mix aus kurzen Videos, Live-Sessions, Community-Austausch und einem zentralen Lern-Hub deckt unterschiedliche Momente ab: das Entdecken, das Verstehen, das Ausprobieren und das Wiederfinden. Wichtiger als das Format ist die Frage: Ist der Nutzen klar formuliert?
Wie schaffe ich intrinsische Motivation für M365-Lernen?
Indem man den Nutzen in den Vordergrund stellt, nicht das Tool. Nicht "Lerne OneDrive kennen", sondern "So findest du in Zukunft jede Datei in Sekunden". Kleine, sofort wirksame Quickwins erzeugen positive Erfahrungen, und positive Erfahrungen schaffen Motivation für mehr.
Lohnt es sich, Mitarbeitende nach ihrem Lerntyp zu fragen?
Es lohnt sich, Mitarbeitende nach ihren Bedürfnissen, Herausforderungen und Use Cases zu fragen. Das liefert wertvolle Informationen für die Gestaltung von Inhalten. Die Frage nach dem Lerntyp liefert dagegen kaum handlungsrelevante Erkenntnisse.
Community · Aufzeichnung · Austausch
Möchtest du mehr dazu sehen?
Wir haben zu genau diesem Thema ein kostenloses Webinar durchgeführt, mit konkreten Praxisbeispielen aus der Kundenzusammenarbeit der 365 Akademie, einem tiefen Blick auf die Forschungslage zu Lerntypen und einem Live-Beispiel, wie multimodales Lernen im M365-Kontext konkret aussieht. Die vollständige Aufzeichnung und die Präsentation findest du in unserer Modern Work 365 Manager Community direkt in Microsoft Teams.
Jetzt kostenlos beitretenKostenlos · Direkt in Microsoft Teams · Alle Webinar-Inhalte auf einen Blick