Irgendwas stimmt nicht. Aber was genau?
Das Problem ist nicht die Technik oder der Wille der Mitarbeiter. Das Problem ist fehlende Relevanz. Und fehlende Relevanz entsteht fast immer durch denselben Fehler: Man behandelt alle Mitarbeiter gleich, obwohl ihre Arbeitswelten grundlegend verschieden sind.
Warum generische Schulungen das Falsche lösen
Stell dir vor, ein Rennfahrer setzt sich in eine Fahrschule. Der Lehrer erklärt Spurhalten, Schulterblick und Vorfahrtsregeln. Alles korrekt, aber vollkommen nutzlos für jemanden, der auf der Nordschleife unterwegs ist. Der Rennfahrer braucht keine Grundlagen, sondern spezifisches Wissen für seine spezifische Situation.
Genauso läuft es in vielen Unternehmen ab, wenn es um Microsoft 365 geht. HR, Controlling, Vertrieb und Produktion sitzen gemeinsam in derselben Word-und-Excel-Schulung oder bekommen denselben E-Learning-Pfad zugewiesen, den die HR-Abteilung zentral eingekauft hat. Sieben Stunden Inhalt, der theoretisch für alle gilt und praktisch für niemanden wirklich passt.
Das Ergebnis kennst du:
- Das Training läuft nebenbei, zwischen drei Meetings und der Urlaubsplanung
- Die Abschlussquote ist hoch, weil es Pflicht ist, nicht weil es Mehrwert bringt
- Zwei Wochen später ist der Großteil des Inhalts vergessen
- Im Arbeitsalltag ändert sich nichts
Nicht weil die Mitarbeiter faul sind. Sondern weil ihnen der Inhalt schlicht nichts bedeutet.
Relevanz entscheidet darüber, ob Menschen wirklich lernen
60.000 Menschen fahren an einem Werktag in die Allianz Arena. Stundenlange Anreise, überfüllte Züge, Stau, überteuerte Stehplätze. Niemand fragt, ob sie gerade Zeit haben. Sie nehmen es auf sich, weil es ihnen etwas bedeutet. Geburtstage werden verlegt, Hochzeitstage nach hinten geschoben, und die Erkältung ist plötzlich doch nicht so schlimm.
Für ein E-Learning hingegen findet sich erst im übernächsten Quartal eine halbe Stunde.
Wenn Inhalte relevant sind, also wenn sie direkt auf den Arbeitsalltag einzahlen und konkrete Probleme lösen, dann passiert Lernen von selbst. Dann braucht es keine Erinnerungsmails, keine Pflichtquoten und keine Führungskraft, die im Nacken sitzt.
Jede Abteilung ist ein eigener Rennfahrertyp
Der Arbeitsalltag in der Produktion sieht fundamental anders aus als der im Marketing oder im Controlling. Das ist keine neue Erkenntnis. Und trotzdem wird bei der Frage, wie Microsoft 365 genutzt werden soll, häufig so getan, als gäbe es einen universellen Anwender. Den gibt es nicht.
Schau dir an, wie unterschiedlich die Anforderungen tatsächlich sind:
| Abteilung | Typische Herausforderungen | Relevante M365 Schwerpunkte |
|---|---|---|
| HR | Onboarding, Dokumentenmanagement, Kommunikation | SharePointFormsTeamsPower Automate |
| Vertrieb | Kundenkommunikation, Angebotserstellung, CRM-Integration | OutlookTeamsLoopCopilot |
| Produktion | Schichtübergaben, Checklisten, mobiler Zugriff | Teams MobileListsShifts |
| Controlling | Datenanalyse, Reporting, Budgetplanung | ExcelPower BISharePoint |
| Einkauf | Lieferantenkommunikation, Freigabeprozesse | OutlookApprovalsSharePoint |
| Marketing | Content-Koordination, Kampagnenplanung, Zusammenarbeit | PlannerLoopSharePointTeams |
Wenn du alle in denselben Lernpfad steckst, schöpfst du bei niemandem wirklich das Potenzial aus. Der Vertrieb denkt in Kundenkontakten und Pipeline, nicht in Genehmigungsprozessen. Die Produktion arbeitet mit anderen Zeitrhythmen und Kommunikationskanälen als das Management. HR hat vollkommen andere Datenschutz- und Prozessanforderungen als der Einkauf.
Abteilungsspezifische Playbooks als Antwort auf das Relevanzproblem
Was wirklich funktioniert, sind abteilungsbezogene Playbooks, Lernpfade und Use-Case-Sammlungen. Keine generischen Inhalte, sondern spezifische Informationen für jede Abteilung deines Unternehmens.
Ein gutes Playbook enthält:
- Die Use Cases, die in dieser Abteilung tatsächlich täglich vorkommen
- Mikro-E-Learnings, die auf konkrete Situationen eingehen, nicht auf Theorie
- Anleitungen, die erklären, wie ein Tool in diesem spezifischen Kontext eingesetzt wird
- Eine klare Vorher-Nachher-Reise: So arbeiten wir heute, so arbeiten wir morgen
- Einbettung in bestehende Prozesse, damit das Gelernte sofort angewendet werden kann
- Abschlussumfragen, die Wirkung messbar machen
Solche Playbooks lassen sich innerhalb von 60 Tagen ausrollen, inklusive Kommunikationskampagne, Begleitung und Abschlussumfrage. Was danach entsteht, ist kein einmaliges Schulungsevent, sondern ein dauerhaft verfügbarer Orientierungsrahmen, auf den Mitarbeiter im Moment des Bedarfs zugreifen können.
Der Unterschied zwischen einmal geschult und dauerhaft befähigt
Schulung wird oft als einmaliges Event betrachtet. Man bucht etwas, alle gehen hin, Haken dran. Fertig. Aber Befähigung funktioniert anders. Wissen, das nicht im richtigen Moment abgerufen werden kann, verblasst.
| Einmalige Schulung | Dauerhaftes Playbook |
|---|---|
| Einmaliger Zeitaufwand, dann vergessen | Jederzeit verfügbar, bei Bedarf abrufbar |
| Generische Inhalte für alle | Spezifische Inhalte pro Abteilung |
| Wissen ohne Kontext | Wissen direkt im Arbeitskontext |
| Kaum messbare Wirkung | Klare Vorher-Nachher-Beobachtung |
| Hohe Abschlussquote, geringe Umsetzung | Direkte Anwendung im Alltag |
| Statisch, veraltet schnell | Aktualisierbar, bleibt relevant |
Playbooks lösen das Problem der Einmaligkeit. Sie sind keine Veranstaltung, sondern ein lebendiges Werkzeug, das mit dem Unternehmen mitwächst.
Warum manche aus jedem Tool das Maximum rausholen
Schau dir an, wie ein 15-Jähriger sein Smartphone nutzt. Er hält Kontakt mit Freunden, betreibt nebenbei ein Business über YouTube oder TikTok, bearbeitet Videos, organisiert seinen Alltag. Dann schau dir an, wie manche Mitarbeiter Microsoft 365 nutzen: E-Mails schreiben, Dateien speichern, fertig. Die Technik ist identisch. Der Unterschied liegt darin, was jemand damit macht.
Die Fragen, die du dir stellen solltest:
- Nutzen deine Mitarbeiter geteilte Dateien oder verschicken sie noch Anhänge per Mail?
- Arbeiten sie gemeinsam in Loop oder schicken sie sich Dokumente hin und her?
- Nutzt der Vertrieb Copilot für die Meetingvorbereitung oder tippt jemand noch alles manuell?
- Automatisiert der Einkauf Freigabeprozesse oder läuft alles noch über E-Mail-Ketten?
Jedes dieser Muster ist kein Anzeichen für fehlendes Engagement. Es ist ein Anzeichen dafür, dass niemand dieser Person gezeigt hat, wie es in ihrem konkreten Kontext besser geht.
Inkompetente Kollegen sind heute ein Kündigungsgrund
Früher hat man gehört: Man verlässt nicht das Unternehmen, man verlässt den Chef. Das stimmt heute oft nicht mehr. Was zunehmend zu beobachten ist: Gute Mitarbeiter verlassen Teams, weil die digitale Kompetenz ihrer Kollegen so weit zurückliegt, dass produktive Zusammenarbeit kaum möglich ist.
Die Konsequenzen sind konkret:
- Leistungsträger müssen sich ständig auf niedrigere Arbeitsmethoden anpassen
- Prozesse werden langsamer, weil nicht alle dieselben Tools wirklich beherrschen
- Frustration entsteht, die sich nicht immer direkt benennen lässt
- Gute Mitarbeiter ziehen Konsequenzen, still oder laut
Abteilungsspezifische Befähigung ist deshalb kein Nice-to-have. Es ist ein Faktor für Mitarbeiterbindung, Teamproduktivität und letztlich auch für die Arbeitgeberattraktivität.
Was ein abteilungsspezifisches Onboarding leisten sollte
Zu jedem Onboarding gehört ein spezifisches Onboarding für die Abteilung in Microsoft 365. Nicht das allgemeine Unternehmens-Onboarding, das jeden gleich behandelt, sondern ein gezielter Einstieg in die Tools und Arbeitsweisen, die in dieser Abteilung täglich relevant sind.
Ein gutes abteilungsspezifisches Onboarding deckt ab:
- Welche Tools werden in dieser Abteilung wie genutzt?
- Welche Prozesse laufen digital, welche noch analog und warum?
- Wie kommuniziert das Team intern und mit anderen Abteilungen?
- Welche Vorlagen, SharePoint-Strukturen und Automatisierungen existieren bereits?
- Wo gibt es Anlaufstellen und Ressourcen für spezifische Fragen?
Wer das von Anfang an richtig macht, spart sich später aufwendige Nachschulungen und verhindert, dass sich schlechte Gewohnheiten erst festsetzen.
Die Frage, die du dir stellen solltest
Schau dir den Content an, den du deinen Mitarbeitern aktuell bereitstellst. Wie relevant ist er für den Mitarbeiter im Vertrieb? Wie relevant für jemanden in der Produktion? Und wie relevant für jemanden im HR?
Wenn du merkst, dass da eine Lücke klafft, zwischen dem was vorhanden ist und dem was die einzelnen Abteilungen wirklich brauchen, dann ist das der Punkt, an dem man ansetzen sollte. Nicht mit einer neuen Einheitslösung. Sondern mit spezifischen Inhalten, die genau dort wirken, wo Arbeit tatsächlich stattfindet.
Steckt bei euch noch mehr Potenzial drin?
Wenn deine Mitarbeiter mit der vorhandenen Technik noch produktiver arbeiten könnten, lass uns gemeinsam analysieren, was bei euch noch drin steckt.
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